Ebbe in den Kassen
Geschrieben von Jürgen Burdak am 26. Juli 2010 | Abgelegt unter Allgemein, Stadtpolitik
Mitten in der Sommerpause wurde der Haupt- und Finanzausschuss (H+F) zu einer Sondersitzung einberufen. Der Grund: Freigabe von Sperrvermerken des H+F auf Haushaltstitel für Grünwesen.
erster Tagesordnungspunkt:
Unwetterschäden im Wald führten zu Schäden an den Nordic-Walking-Wegen. Wenn sie nicht beseitigt werden, müssen diese gesperrt werden. Kosten: 25.000 Euro, exakt der mit Sperrvermerk versehene Haushaltstitel. Die Waldwegesanierung habe alle freien Mittel verschlungen, so dass man für den Rest des Jahres auf diesem Haushaltstitel keine Mittel mehr habe. Mit Unwettern war nicht zu rechnen.
So sieht vorausschauende Planung nicht aus. Schon gar nicht, wenn ein halbes Jahr noch aus diesem Haushaltstitel bewirtschaftet werden muss.
Ein detaillierter Anschlag wofür die freizugebenden Mittel verwendet werden sollen lag nicht vor.
Die Sperrvermerke waren in der letzten Haushaltsdebatte als kleinster Kompromiss der Fraktionen eingesetzt worden um Einsparungen im Haushalt zu erreichen. Aber der Etat wurde mit vollen Händen ausgegeben. Reserven waren nicht vorgesehen.
Der vorliegende Magistratsbeschluss wurde mit Mehrheit wegen mangelhafter Begründung vom Ausschuss abgelehnt.
zweiter Tagesordnungspunkt
Die Fauna der Stadt vertrocknet auf Grund der Hitzeperiode ohne Regenfall. Beantragt wird die Freigabe von gesperrten 145.000 Euro ohne nähere Detaillierung. Als Begründung im Antrag werden gefährdete Grünanlagen benannt, die zu großen Teilen gar nicht in die Zuständigkeit der Stadt fallen, sondern von privaten Unternehmen oder auch Kur + Service-Betrieb und anderen zu pflegen sind.
Auch hier, wie im ersten Thema, die Mittel sind Mitte des Jahres bereits ausgegeben. Der Einsparungswille stand nicht im Vordergrund und so wurde gepflanzt was der Etat hergab. Rücklagen wurden nicht gebildet und so fehlt jetzt das Geld zum Erhalt der Pflanzungen, sprich gießen. Man wollte halt gut dastehen, im Jahr der Landesgartenschau. So geht Haushaltssparen in Bad Nauheim.
Um einem Desaster vorzubeugen gab der H+F 60.000 Euro frei und verlangt Rechenschaft für die nächste Sitzung im August über die einzelnen Etatpositionen.
Ein Bewirtschaftungskonzept für öffentliche Grünflächen war dem H+F für den 30.April des Jahres vom Magistrat schriftlich zugesagt worden. Es liegt bis heute nicht vor. Kommentar des Bürgermeisters, als er auf seine Berichtspflicht hingewiesen wurde: „das komme noch, wir hatten halt keine Zeit“. Mit anderen Worten, der Magistrat erfüllt seine Zusagen nicht.
Die traurige Sommerposse zeigt, ein umfassendes Grünflächenkonzept muss auf den Tisch und öffentlich diskutiert werden. Ohne eine übergreifende Planung ist alles Handeln nur Stückwerk, das schwer zu durchschauen ist und unkontrolliert große Summen verschlingt, die die Stadt gar nicht mehr zur Verfügung hat. 3B wird das Grünflächen- konzept einfordern.







